EUROPÄISCH DENKEN – REGIONAL GESTALTEN

04. Juli 2015

DIESSEN | Lomnice nad Lužnicí – Mit zwei Großveranstaltungen ist im Sommer 2007 zuerst im südböhmischen Lomnice nad Lužnicí und danach in Diessen am Ammersee die Städtepartnerschaft besiegelt worden. Die Freundschaft zwischen den Orten wird aber schon gut 20 Jahre durch das Folklore Ensemble Javor und den Heimat-und Trachtenverein d‘ Ammerseer Diessen – St. Georgen intensiv gepflegt. Ende Juni gab es wieder eine offizielle Begegnung in Lomnice beim Fest am Goldenen Fluss, bei dem Gemeinderätin Hannelore Baur (SPD) Diessens Bürgermeister Herbert Kirsch vertreten hat.

„Wir gestalten mit dieser Partnerschaft einen zukunftsweisenden Weg im Sinne des geeinten Europa“, wurde Bürgermeister Herbert Kirsch zitiert, der in diesem Jahr nicht mit nach Böhmen reisen konnte. Aber er war beim Empfang im Rathaus präsent, denn der böhmische Kollege Karel Zvánovec mit seinen Vizebürgermeistern Petr Krejník und Dr. Petr Šafář richteten wiederholt Grüße aus und betonten die völkerverbindenden Impulse der Partnerschaft. Lebendige Begegnungen, so Zvánovec, mögen weiter wachsen, „wie unserer Partnerschaftsbäume.“

Auch möge das Verständnis füreinander zunehmen, damit die Achtung vor den Eigenheiten der Völker und ihrer Kulturen größer werde und man sich gegenseitig respektiere. Europäisch denken sei notwendig, aber regionales gestalten noch wichtiger, um die Individualität der Traditionen zu erhalten. „Und dafür müssen wir nicht unbedingt die Sprachen perfekt beherrschen“, hakte Sepp Kaindl (Vertreter des Diessener Trachtenvereins) ein, „die Völkerverständigung funktioniert auch wunderbar mit Singen und Tanzen.“ Eine Aussage, die ihm reichlich Applaus bescherte.

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INTERNATIONALES DIESSEN Hannelore Baur, Vertreterin des Diessener Marktgemeinderates, flankiert von Kulturreferentin Kathrin Kubat (auch SPD), überreichte das Diessener Gastgeschenk. „Jedes Mal wenn wir jetzt nach Lomnice reisen“, schmunzelte sie, „bringen wir einen handgeschnitzten Fisch aus Diessen mit, damit eine Wand im Amtszimmer des Bürgermeister bald ‚richtig schwimmt‘.“ Dies sei eine symbolische Geste, weil am Ammersee die Fischerei gepflegt wird und rund um Lomnice seit Jahrhunderten die Teichwirtschaft floriert. Hannelore Baur erinnerte, dass Diessen neben der Partnerschaft mit dem englischen Windermere stolz ist auf die aktive und lebendige Freundschaft mit Tschechien, „das ist die internationale Seite der Marktgemeinde Diessen.“

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GRILLFORELLE IM BOHEMIA Nach dem Empfang im Rathaus bat der Bürgermeister zum Mittagstisch ins Hotel Bohemia. Hier eröffnete er das Menü mit Martini on the Rocks, gefolgt von gegrillter Forelle aus der berühmten, Teichwirtschaft in der Region Třeboň. Die Tischgespräche rankten sich hauptsächlich auch um Neuorientierung der Kontakte mit Diessen. Die Vertreter beider Länder waren einig, einen erneuten Versuch zu unternehmen, die Schulen miteinander zu verbinden. Magister Šárka Petrásková, die sehr gut deutsch spricht und drei Töchter hat, ist Lehrerin in Lomnice, sie setzt sich mit den Schulleitern in Diessen in Verbindung, um zu erfahren, ob Schüleraustausch eine Zukunft hat. Kunst und Handwerk, aber auch die Struktur von Kleinbetrieben in ländlicher Region und die Situation der Fischerei interessieren ihn und sein Team. Andreas Huber, Vorsitzender des Diessener Trachtenvereins erinnerte an Begegnungen mit der Diessener Feuerwehr und an Fußball-Turniere mit dem MTV Diessen. Solche Aktionen möchte man beim nächsten Besuch in Diessen gerne fortführen, waren die böhmischen Kommunalpolitiker einig. Und Zvánovec fasste seinen politischen Wunsch zusammen: Junge Politiker wolle er aufbauen, „damit die Tradition der Freundschaft erfolgreich in die Zukunft geht.“

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Text & Bilder: Beate Bentele

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